Vom Koma zurück ins Leben – was Sara nach ihrer Hirnblutung am Leben hielt

Shownotes

In dieser Episode spreche ich mit Sara, die offen und ehrlich von ihrem Weg erzählt. Von ihrer wilden, lebenslustigen Jugend über ihre Leidenschaft für die Chirurgie und ihr Familienleben bis hin zu jenem schicksalshaften Tag, der alles veränderte.

Nach einer Hirnblutung nach einer Geburt und mehreren Wochen Koma stand ihr Leben plötzlich Kopf: Sie kämpfte sich zurück, lernte, mit neuen Einschränkungen zu leben und fand dabei ungeahnte Stärke. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie sich das eigene Leben und die Identität nach einem derart einschneidenden Erlebnis verändern, was wirklich zählt und woher Kraft und Lebensfreude kommen.

Ich frage nach: Wie ging es für Sara nach ihrem Schicksalsschlag weiter? Wie fühlt es sich an, wenn der Alltag Kopf steht? Und was hilft wirklich, wenn du wieder aufstehen willst? Gemeinsam entdecken wir, wo man Hoffnung und echte Stärke findet und wie man sich auch mit neuem Blick selbst treu bleiben kann.

Links Sarah: Instagram: https://www.instagram.com/saracaausw

Weitere Impulse & Einblicke:

https://dr-tscheuschner.de/

https://www.instagram.com/doc_tscheuschner/

https://www.linkedin.com/in/dr-benjamin-tscheuschner/

Transkript anzeigen

00:00:00: Wir haben sie dann ins Bett gelegt, ins Kinderzimmer und dann hat mein Ex-Mann die große Kult vom Kindi.

00:00:05: Und er hat irgendwie gesagt ja, die Mama schläft und du musst ganz leise sein.

00:00:10: Und die kam in die Wohnung und hat geblickt von der kleineste Kinderzimmertür zu.

00:00:16: Die guckt mich an.

00:00:17: Mama ist meine Schwester da!

00:00:20: Ich so ja gucke halt mal ganz vorsichtig rein... ...und er hat sich reingeguckt.

00:00:24: also die hat sich mega gefreut dass die endlich daheim war.

00:00:27: Ja und dann ging das ganze Disaster los.

00:00:30: Mein Ex-Mann ist dann morgens aufgestanden und weil auch die Kleine Gott sei Dank geweint hat.

00:00:35: Und hat sie dann, hat genommen und hat er halt gemerkt dass ich also nicht mehr richtig ansprechbar bin und so.

00:00:41: Der wollte mich irgendwie hochziehen wie um mich auf den Boden gefallen und hat ihn mich halt liegen lassen.

00:00:46: Und der dachte okay wenn da irgendwas ist lieber lass sich es liegen bevor noch irgendwas Schlimmeres passiert.

00:00:52: nur Darts gerufen und Action Krankenwagen aber von diesem ganzen wo der Arzt da war und die mich quasi mitgenommen haben.

00:01:01: Ich hab keine Ahnung, gell?

00:01:07: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sprechstunde mit dem Leben!

00:01:11: Schön dass du da bist.

00:01:13: ich bin Ben und ich habe heute Sarah bei mir.

00:01:16: Hallo Sarah!

00:01:17: Hallo!

00:01:19: Ich freue mich total das du da ist.

00:01:21: ich finde deine Geschichte faszinierend und berühren zugleich.

00:01:27: wir werden es nachher merken.

00:01:31: Wir berühren, dass sein kann.

00:01:33: Allein wenn ich dran denke, dann wird es mir schon warm!

00:01:37: Bevor wir aber jetzt so intensiv rein starten würde mich einfach mal interessieren... Wer bist du gewesen?

00:01:45: Ganz am Anfang habe von dir eine Übersicht bekommen, eine Chronologie.

00:01:50: Du hast die Ausbildung zur MFA gemacht und

00:01:55: nachher gesehen.

00:01:57: Sechszehn Jahre alt warst du.

00:01:59: Was warst für ein Mensch?

00:02:00: Wer warst?

00:02:02: Ja, ich war wild.

00:02:04: Lebensfroh immer noch und ich hab damals in der achten Klasse Praktikum gemacht bei dem Zahnarzt.

00:02:11: Also ich wollte schon immer was mit Menschen machen und er hat mir dann ein Jahr die Stelle freigehalten und da habe ich sixundneunzig dort angefangen mit der Ausbildung bis neuneinzehnzig.

00:02:23: Der

00:02:25: wollte mich unbedingt haben?

00:02:27: Haltest du so wild warst?

00:02:28: Ja einfach weil es gepasst hat!

00:02:30: Okay Das heißt durchs Praktikum, da hat er irgendwie schon

00:02:34: gemerkt die Paste in die Praxis.

00:02:36: Die ist cool, die hätte ich gerne... weil das ja ungewöhnlich nur ein Jahr zu warten gesagt haben.

00:02:40: Ja, exakt Sarah!

00:02:40: Ich halte dir das frei.

00:02:43: Mega was heißt du bist wild gewesen?

00:02:46: Ja immer abenteuerlustig unterwegs und spontan.

00:02:51: Was hast du unternommen?

00:02:53: Dorthin mit Freunden immer unterwegs mal an See oder da zum Wandern Fahrrad fahren

00:03:02: Wild und frei quasi Okay, und die Arbeit spiel ich so ein bisschen raus.

00:03:07: Die hat dir dann schon Ausspaß gemacht?

00:03:09: Das ist extrem!

00:03:11: Und ... Ich bin ja eh so eine Blutige.

00:03:13: Ach ne

00:03:13: Blutig?!

00:03:14: Mhm.

00:03:15: Und ich wollte immer in die Chirurgie.

00:03:16: Okay...

00:03:18: Dann hab' ich ... In den Mundkiefer-Gesichtsschirurgien gewechselt.

00:03:23: Weil das war voll meins.

00:03:25: Blut, Knochen, Gemetzel.

00:03:28: Ich mag es.

00:03:29: Und ähm ... In der Mundkiefergesichtschirugie Könnte ich mir jetzt vorstellen, die Herausforderung aber auch schon ein bisschen höher?

00:03:37: Ja wie beim Zahnarzt.

00:03:38: Da machst du halt bis zu Zahnstein, Röntgengelder und in der Chirurgie halt mit... Also das sie schalt andere Sachen als bei dem Zahnarz.

00:03:48: So muss sich die erste Woche schon ein bißchen auf eine Nummer umgekippt was halt schon blutig war.

00:03:54: Okay, aber man muss sich glaube ich dran gewöhnen, gell?

00:03:56: Ich weiß noch als ich das erste Mal in die Chirurgie gekommen bin Da gab es so eine kleine Bauchnabel-OP und dachte, oh Gott ich kipp gleich oben.

00:04:03: Und am Schluss war ich dann bei hier in den OP dabei und man denkt okay, aber man braucht ein bisschen um sich an das Blut zu gewöhnen, auch wenn man total spannend

00:04:10: ist oder?

00:04:10: Ja, ja das war auch in der zweiten Woche.

00:04:12: Hatten mir eine kleine Beckenkamm-OP.

00:04:14: also da wird quasi vom Hüftknochen eingesetzte Mund.

00:04:17: Äh!

00:04:20: Und wenn du nur bis zum Samstag bist und auf einmal die Hüfte assistieren musst zum Knochen raus machen...

00:04:27: Vor allem so ein Stück Knochen rausmachen.

00:04:28: Nicht so, wir basteln mal bisher ... Nee

00:04:30: das war richtig, aber interessant.

00:04:33: also ich war immer chirurgiemäßig, dachte ich

00:04:37: geil!

00:04:38: Also ich hör so raus eigentlich wild und frei und das Leben war irgendwie ganz cool und hat auch einen Beruf gehabt wo du echt Spaß gehabt hast.

00:04:49: Wie sah dein Alltag so aus?

00:04:52: Hattest du dann Dienste oder bist das immer so zur gleichen Uhrzeit gewesen?

00:04:56: Ja, wir hatten früher einen Spätschicht.

00:04:57: Früher ein Späetschicht!

00:04:59: Aber habe ich es jetzt überhaupt ... War's Klinik oder war das dann eine Praxis?

00:05:03: Praxisklinik.

00:05:04: Okay und da gab es dann ne Frühschicht wo du keine Ahnung um acht angefangen hast dann oder... Sieben.

00:05:10: Und ne Späitschicht gab sie auch.

00:05:11: Genau.

00:05:12: Und dann aber echt mit knackigen Operationen, wo man Hofknochen rausgemacht hat in den Kiefer gemacht hat.

00:05:17: Ja.

00:05:18: Und denn in der Freizeit irgendwas unternommen mit Freunden Wild und frei gewesen.

00:05:24: Okay, die ging's dann weiter?

00:05:28: Ja also ich hab dann irgendwann meinen Ex-Mann kennenglammt zusammengezogen geheiratet so.

00:05:36: Der Klassiker.

00:05:37: Der schwäbische Klassiker.

00:05:41: Und dann habe ich am ersten September, zwei tausend zwölf meine erste Tochter bekommen.

00:05:45: ja

00:05:46: und da war ich dann eineinhalb Jahre zu Hause und ich wollte unbedingt wieder in den Beruf zurück Habe ich dann auch gemacht, in Teilzeit.

00:06:00: Wie alt warst du als ihr die Tochter bekommen hast?

00:06:03: Zweiunddreißig.

00:06:05: Das heißt, du hast dich im Beruf schon echt gut ausgelebt, ne?

00:06:08: Und gesagt, ja das ist super und dann geht es zu zweiunddreißig.

00:06:12: Kann

00:06:12: man schon mal Kinder kriegen.

00:06:14: Wobei glaube ich, wenn ich das jetzt zurückrechne wieviel Jahre ist das jetzt her?

00:06:18: Die wird vierzehn im September.

00:06:21: Ja okay... Und dann wolltest du aber zurück in den Beruf, weil das dir so viel gegeben hat und so

00:06:29: viel Spaß gemacht hat.

00:06:29: Ja, was einfach auch Spaß macht!

00:06:31: Okay...

00:06:31: Ich hatte immer ganz aktuelle Kolleginnen, wo halt echt eine Freundschaft mittlerweile ist.

00:06:37: Also regelmäßig telefonieren und sehen.

00:06:40: Ich geh ab und zu noch in die Praxis zum Besuch.

00:06:43: Weil es eben doch lang wie ein Zuhause war, weil du mehr an der Praxis bist als wieder heim?

00:06:47: Mhm.

00:06:49: Ja.

00:06:50: Doch.

00:06:52: wird irgendwie so ein bisschen wie eine Familie.

00:06:54: Also vor allem wenn das über Jahre dann auch geht, also ich kann das schon auch nachvollziehen es ist ja irgendwie so einen Wiederkehrenden Rhythmus und wiederkehren das jetzt mal ein Stück weit zu Hause und auch wenn man sich da mal mit dem ein oder anderen fetzt oder das Wort fliegt ist ja etwas wie Familie.

00:07:10: aber es ist ein Ort an dem man immer wieder zurückkehrt und auch in schwierige Zahlen sind die man zusammen durchsteht.

00:07:18: Das heißt, Sehnsucht gehabt wieder zurück in Teilzeit.

00:07:22: In dem Mundkiefergesichtschirurgie.

00:07:25: Weil es einfach so schön war.

00:07:27: Wie ging's weiter?

00:07:30: Ja gearbeitet, gearbeitet und zweites Kind ... ja nein, ja nein!

00:07:37: Ich war so ... das ganze nochmal und bei der Erstgeburt war ich sehr lange.

00:07:43: Dachte ich nie wieder.

00:07:46: Und dann war es halt so als ich ein Einzelkind

00:07:49: war.

00:07:50: Da weiß ich nicht, wie es ist wenn du mit Geschwistern aufweckst.

00:07:54: Und mein Mann hat halt Geschwistersprache gesagt ja und wenn uns was passiert dann ist die Große allein okay überredet.

00:08:07: Okay ging dann doch einfacher?

00:08:10: Ja

00:08:11: okay.

00:08:13: Dann bin ich schwanger geworden, im Jahr zwei tausendsechzehn.

00:08:17: Wie alt warst Du denn?

00:08:18: Hilf mir einfach.

00:08:19: Sechsunddreißig, okay.

00:08:26: Ja, das muss ich gerade selber belegen!

00:08:29: Ja und dann... also ich habe gearbeitet weiterhin.

00:08:33: Also natürlich nicht mehr im OP und so aber ganz normalen Backoffice, Rechnungen, Arztbriefe bis zur achtendzwanzigsten Woche.

00:08:42: Und der Bauch wurde mal größer?

00:08:43: Ja und wir waren so viele Helferinnen gleichzeitig schon.

00:08:49: Manche Fortschritt die Krise kriegt ja.

00:08:51: Die viele Helfern wart ihr

00:08:52: da?!

00:08:54: Insgesamt, wir haben zwei Praxen.

00:08:58: Einen in Kirchheim Tech und einen in Filderstadt.

00:09:02: Und in Kirche waren mir sechs bis acht Leute.

00:09:08: Wir waren aber aufgeteilt in den Praxens.

00:09:10: Also wir waren nicht alle gleichzeitig schwanger in einer Praxis sondern im Beiden noch schlimmer.

00:09:18: Und ich wie gesagt bis zur achtenzwanzigsten Woche.

00:09:22: Da bist du halt schon kugelig, gell?

00:09:24: Aber es ist ja auch irgendwie schön, wenn man dann nicht alleine im Team ist.

00:09:26: Sondern da ist noch jemand.

00:09:27: Ich fühle mich für den Chef und ich bin der auch Chef.

00:09:29: Es ist uncool, wenn du denkst okay bald fällt ein bisschen was weg aber irgendwie das dann auch ein Stück weit gemeinsam zu erleben ist auch irgendwie...

00:09:37: Das war witzig!

00:09:38: Wenn alle Kugelbäuche dann morgens in die Küche saßen.

00:09:41: Alle einen halben Meter vom Tisch entfernt saßen ne?

00:09:45: Ja.

00:09:46: und dann in der achtundzwanzigsten Woche hat unser Praxismanager gesagt so Geht jetzt ins Beschäftigungsverbot, weil irgendwann du wirst halt auch schwerfälliger und gehst halt doch mal kurz am Röntgen vorbei oder in die Läufchensteree.

00:10:00: Und so unbewusste Sachen wie du machst.

00:10:04: Ja dann bin ich in der achtendzwanzigsten Woche mein Kischle packt.

00:10:08: Dann mach ich zu Hause.

00:10:10: Hast dir genug zu tun?

00:10:12: Was macht man da?

00:10:13: Kinderzimmer streichen, Möbel aufbauen...

00:10:16: Stimmt!

00:10:18: War dann das zweite Zimmer oder haben die eins gemeinsam?

00:10:20: Nee, die haben zwei.

00:10:21: Also wir haben zwei Kinderzimmer.

00:10:22: Also jeder hat seine Zimmer gehabt.

00:10:25: Das heißt da wurde schon die kleine neue Welt aufgebaut ne?

00:10:30: Genau.

00:10:30: Die erste Kind war da und wie alt war es da selbst?

00:10:33: Äh fünfundhalb.

00:10:34: Fünfundhalb Und hat sie sich auch gefreut?

00:10:39: oder war das dann so...

00:10:40: Sie war so am Anfang, ähm krieg ich wirklich noch eine Schwester

00:10:44: bis das sackt.

00:10:45: Aber mittlerweile

00:10:46: Okay Okay, das heißt du bist nach Hause aus dem Teamgefüge so ein bisschen raus.

00:10:52: Hast dich vorbereitet darauf?

00:10:53: Das ist jetzt ein zweites Mal.

00:10:54: Genau

00:10:57: und die kam dann auch schon das siebenunddreißigste Woche

00:11:00: drei Wochen früher.

00:11:01: aber es stammelt wirklich wild

00:11:04: heutzutage nicht mehr

00:11:05: nur die als er auf die welt kam sie konnte nicht atmen weil ich wohl nach diesem Glykosetest noch Schwangerschaftsdiabetes hatte.

00:11:16: Und da gehen irgendwie diese Lungen, Kapelano oder Bronchen hat richtig auf.

00:11:20: Also die kamen und in eineinhalb Stunden ...

00:11:25: Bisschen schneller diesmal?

00:11:26: Ja!

00:11:27: Kurzzeit Dank.

00:11:29: Das war schön, ist das halt

00:11:30: nett?

00:11:30: Ja.

00:11:32: Dann konnte sie nicht atmen und wir waren in Esslingen und kamen zur gleichen Kinderklinik.

00:11:36: Musste dann nur beatmet werden.

00:11:39: Und ich bin, also du kannst ja da auch übernachten.

00:11:46: Aber ich habe gesagt, ey, ich kann das nicht.

00:11:48: Ich fahre lieber jeden Morgen hin und gebe meine Fläschchen ab.

00:11:54: Also diese Pumpe hab' ich dann noch

00:11:57: gemacht.".

00:11:59: Also wie war das für dich?

00:12:01: Ich kann mir das immer schwer vorstellen.

00:12:02: Es war furchtbar!

00:12:03: Ich habe nie ein Kind im Bauch getragen, ich habe zwei Kinder aber... Wie ist es wenn man einen Kind bekommt und dann ist er nicht bei einem sondern ist erst mal weg und da ist so eine Distanz da.

00:12:16: Wie ist das für eine Mama?

00:12:18: Das

00:12:18: war nicht schön vor allem in der Kinderintensiv, weil die wurde jetzt anbeatmet.

00:12:23: Und schon allein dieses unrealistische Brustkorb anheben, wenn die geatmet hat, fand ich schon schlimm.

00:12:30: Magensonde, Dali-Infusion und also ... Die Krankenschwester waren super nett dort.

00:12:37: Dann hab ich gesagt, Sarah, wenn du willst, kannst du jederzeit rausnehmen.

00:12:42: Aber jedes Mal, wenn ich dir angefasst habe, ist die so vom Blutdruck und Puls hoch, das war pure Stress für das Kind.

00:12:48: Und dann hab ich's einfach ... Ich hab sie schon berührt, aber hab sie halt dann... Nur ab und zu raus, weil ich dachte, nee.

00:12:55: Das ist das arme Ding!

00:12:57: Die muss ja auch schon mit allem aufwärtskommen.

00:12:59: Was du das Gefühl gehabt hast, tut dem sehr klein jetzt einfach besser wenn sie...

00:13:02: Ja die kamen einen kleinen Stress sobald ich dir angehoben habe.

00:13:06: Dann piept ihr alles.

00:13:07: Und es ist eher respekt, dass du irgendwas kaputt machst.

00:13:10: Ja, ganz kleiner noch.

00:13:11: Ja.

00:13:12: Die war fortyzehn Meter mit drei tausend zweihundert Gramm.

00:13:16: Also schon klein.

00:13:17: irgendwie

00:13:19: auch ein Wunder.

00:13:20: Also ich denke jedes Mal, wenn kleine Kinder in die Praxis kommen, denke ich jedes mal, es ist doch wirklich irgendwie ein Wundern.

00:13:26: Also aus dem Nichts entstehen dann solche kleinen Körperchen... Okay und dann bist du nach Hause gegangen?

00:13:36: Ja, ich bin dann jeden Morgen noch Esslingen gefahren.

00:13:38: Ich sag da gab's feste Zeiten wo du halt deine abgepumpte Milch in so einen Stauchenschrank stellen durftest mit Beschriftung dass sie halt was da haben wenn die...

00:13:47: Wenn sie was brauchen.

00:13:48: ja Und natürlich war ich auch noch so zu Besuch.

00:13:52: Mit Freunden, Omas, Schwester ... Also mit der großen Schwester.

00:13:59: und ja dann ... Tag neun?

00:14:03: Tag Neune nach der Geburt.

00:14:04: Mhm.

00:14:06: Und an dem Morgen hat mein Ex-Mann gesagt, du, ich fahr mit nach Esslingen und wir nehmen alles mit Maxikosi Klamotten, dass wir die Kleine mit heimnehmen können.

00:14:17: Sag ich, uff!

00:14:19: Okay.

00:14:20: Ich kenne mich Medizine schon ein bisschen aus, aber ich kann halt selbst kein Kindreanimieren.

00:14:25: Weil mir das Sauerstoffsättigung ... Ja, nun sind wir dann nach Esslingen.

00:14:30: Das heißt es war Initiative von euch quasi?

00:14:33: Das Klinikum hat nicht gesagt so... Wir

00:14:35: haben alles mal mitgenommen auf

00:14:36: Glück.

00:14:37: Ah okay!

00:14:38: Und dann war's tatsächlich so, wir kommen rein in die Kinderintensivgär und laufen ins Zimmerzimmer leer.

00:14:44: Wie ist der Hör?

00:14:46: Da kamen die Kinderärztin, ja hi, guten Morgen.

00:14:50: Stimmt irgendwas, ne?

00:14:52: Ja, die Lilly hat seit gestern Abend eine Sauerstoff-Sättigung von hundert Prozent.

00:14:57: Wie weit wir wären zu Hause, das ist ja ein bisschen fertig.

00:15:00: Ja also wenn ihr wollt könntest du mitnehmen.

00:15:03: So?

00:15:06: Als hättet ihr es geroren!

00:15:08: Und dann Zimmer in das andere Zimmer.

00:15:10: und dann habe ich dir nach neun Tagen zum allerersten Mal gesehen ohne Beatmung, ohne Magensonde... Also dachte ich oh Gott wie süß ist schon die bitte weil der am Anfang voller Schläuche war.

00:15:24: Also klar hatte ich das Muttergefühl, aber ich hatte voll Angst noch die anzufassen.

00:15:29: Weil ich immer dieses Zerbrechel hier im Kopf hatte und dann habe ich es so geschnappt und gedrückt.

00:15:36: Dann zum Heim gefahren mit Baby Und wir haben sie ins Bett gelegt, ins Kinderzimmer.

00:15:41: und dann hat mein Ex-Mann eine große Kult vom Kindi und hat irgendwie gesagt ja die Mama schläft und du musst ganz leise sein und die kam in die Wohnung und hat geblickt.

00:15:52: von der Kleine ist die Kinderzimmertür zu Die guckt mich an, Mama ist meine Schwester da.

00:15:59: Ich so ja, guck halt mal ganz vorsichtig rein und dann hab ich reingeguckt.

00:16:03: Oh Gott, die hat sich so gefreut.

00:16:04: Dann ist er auch wach geworden.

00:16:07: Die so Ja kann nicht die kleinen Armen nehmen, sicher klar?

00:16:10: Und dann klar für so eine fünf- und halbjährige ist natürlich ein kleines Baby, das aussieht wie so ne größere Puppe, schöner und highlighter.

00:16:18: Lebendiges

00:16:19: Spielzeug, ja.

00:16:21: Also die hat es sich mega gefreuert dass sie endlich dahin war.

00:16:27: Ja, und dann ging das ganze Disaster los.

00:16:31: Es klingt irgendwie wie so ein richtig schönes Leben.

00:16:36: Das war so eine bisschen Herausforderung da ja auf Frühgeburt und keine Ahnung.

00:16:43: zweites Kind jahrenein möchte man berufen oder vielleicht ein zweites kindel.

00:16:47: ich würde mir sagen es ist ein klassisches leben oder?

00:16:50: Es war im Grunde genommen eigentlich schön, gab ein paar Herausforderungen die hat man dann bewältigt und... Aber das

00:16:56: war alles.

00:16:58: Dann ist irgendwie gekippt.

00:16:59: Ja, also an einem Tag wo wir die Kleine mit nach Hause genommen haben ich hatte furchbare Kopfschmerzen Also wirklich so einen Kopfschmärz Ich habe immer zu einer gesagt Ey Leute!

00:17:11: Ich hab das Gefühl mein Gesicht platzt.

00:17:14: Also ich bin eine Migraine Patientin sowieso Aber sowas... Ich hatte es in meinem Leben nur nicht, gell?

00:17:21: Ich immer dachte oh Gott, ich habe mir aber immer das Gesicht gehalten weil ich dacht habe jetzt

00:17:24: Hat das angefangen, schon morgens dann ... Schon

00:17:26: wo wir ins Krankenhaus gefahren

00:17:28: sind.

00:17:28: Okay, also morgens irgendwann hast du gemerkt, boah jetzt ... Hast du wahrscheinlich auch so ein bisschen gedacht, keine Ahnung, wird irgendwie was in Migräne sein oder sowas?

00:17:35: Geburt nicht

00:17:35: genug getrunken

00:17:36: und so.

00:17:37: Ich denk schon

00:17:38: nicht, dass irgendwas Schlimmes passiert.

00:17:41: Hab da noch paar Razzetta-Molben genommen.

00:17:43: War mit dem Hund spazieren weil ich dachte okay frische Luft vielleicht durch die Bewegung aber es hat halt alles nix gebracht ja.

00:17:51: Und wenn ich wieder nach Hause Und hab dann Paracetamol genommen.

00:17:57: Ich dachte, das hilft ja gar nicht, wenn du so einen Vernichtungskopfschmerz hast.

00:18:03: Dann waren Freunde von uns noch da und wir gingen gut.

00:18:08: Bis auf die Kopfschmerzen halt aber ich war normal in Anführungszeichen.

00:18:11: also ich hatte weder motorische Ausfälle noch dass du gemerkt hast hey die spricht irgendwie seltsam.

00:18:17: Also jetzt kam nicht das Gefühl auf irgendwas stimmt dir nicht?

00:18:19: Nein!

00:18:21: Also klar hab ich mir gedacht, okay es ist irgendwie anders.

00:18:23: Weil du so Kopfschmerzen noch nie hattest aber du denkst ja nicht wenn du so jung bist dass dir irgendwas Schlimmes passiert?

00:18:31: Ja.

00:18:31: Weil ich war gesund, ich war schwanger, ich habe nicht graucht, nicht getrunken und du achtest schon auf dich.

00:18:36: Naja auch ein gewisses Gefühl das aus der Medizin zu kommen.

00:18:41: dann hat man auch ein Gewisses Gefühl wo man sagt naja gut jetzt muss mal reagieren oder auch nicht.

00:18:47: Und dann also es wurde halt immer schlimmer.

00:18:50: Also der Schmerz an sich und die Freunde von uns sind dann irgendwann gegangen.

00:18:58: Und hab ich zu meinem Ex-Mann gesagt, bei Schwass geh du in den Schlafzimmer weil du musst doch früh raus und ich schlafe mit der kleinen ganzen Ruhe auf dem Sofa.

00:19:09: Ja... und dann habe ich da noch eine Flasche gegeben und du gestillt keine Ahnung.

00:19:15: und dann haben wir irgendwann alle geschlafen.

00:19:18: Ich hatte immer noch Kopfhöl beim Einschlafen.

00:19:20: also ich hab das schon gemerkt weil es eben so ins Gesicht gedrückt hat ja und dann war's wohl so.

00:19:31: Also, mein Ex-Mann ist dann morgens aufgestanden.

00:19:34: Und weil auch die Kleine Gott sei Dank geweint hat und hat die dann halt genommen und er hat gemerkt, dass ich also nicht mehr richtig ansprechbar bin und so ... Er wollte mich danach aufrichten, weil eben die linke Seite geliebt war.

00:19:52: Und wussten aber zu dem Zeitpunkt keiner was es jetzt ist.

00:19:57: Kennst dich ja mit sowas nicht aus?

00:19:59: Der wollte mich irgendwie hochziehen wie wenn mich auf den Boden gefallen.

00:20:03: und hatte mich halt liegen lassen.

00:20:04: Und er dachte, okay, wenn da irgendwas ist, lieber lass ich sie liegen bevor noch irgendwas Schlimmeres passiert.

00:20:10: Nur dort gerufen und Action und Krankenwagen.

00:20:14: aber von diesem Ganzen wo der Arzt war und die mich quasi mitgenommen haben, habe keine Ahnung.

00:20:21: Aber merkst du in einer Erzählung?

00:20:22: Du erzählst Ich hab dann und dann ist das im Passen jetzt, es wird stünden.

00:20:26: Es war dann wohl so.

00:20:27: Ja, ich habe keine Erinnerung mehr.

00:20:29: Für mich hat es einfach Montagabend aufgehört.

00:20:32: Oder in dem Moment, wo ich gesagt hab, ich geh jetzt mit der Kleinschlafen?

00:20:37: Mhm.

00:20:37: Ja und dann natürlich Mots the Action, weil junge Frau ... Und dann haben die mich ins nächste Krankenhaus, haben dann CT gemacht und haben gesehen, dass sich eine Riesenblutung im Gern hat.

00:20:50: In einem CT habe ich gar nicht mehr reagiert, da gibt's ja so Reflexe dieses Barbinski-Wastel, das war alles null.

00:20:57: Da haben die mir quasi im CT noch Not intubiert.

00:20:59: Dann direkt am Hubschrauber nach Tübingen.

00:21:01: ... ins Uniklinikum.

00:21:04: Aber wie gesagt, ich weiß keine Ahnung!

00:21:07: Ich weiß auch von dieser ganzen Intensivstationenzeit gar nix.

00:21:12: Weil ja viele sagen Ja... Also mein Ex-Mann und meine Mutter waren dann auch immer bei mir ... ... und haben mich berührt oder gesprochen.

00:21:21: Ich habe echt null Erinnerungen an diese Zeit.

00:21:24: Was auch gut ist weil ich glaube das willst du nicht mitkriegen?

00:21:27: Nee, ich glaube auch nicht.

00:21:30: Du bist operiert worden dann?

00:21:33: Auf Intensivstation.

00:21:34: Bin

00:21:34: Dienstagsankliefert worden und das Rückenmark kann nur Sohn so viel Milliliter Blut abtransportieren Und irgendwann staut sich das Halt im Gehirn, dann bricht diese Ventriekelkammer ein und die sitzt irgendwie hinter den Augen.

00:21:51: Deswegen drückt es so extrem ins Gesicht.

00:21:53: Also wird's mir halt erklärt Und deswegen halt auch die Kopfschmerzen klar wenn sich das alles im Gehörn staut.

00:21:59: Da ist nicht soviel Puffer aus der Schädel

00:22:03: und mal halt das Hirn so extrem angeschwollen ist.

00:22:07: Also wie gesagt, ich bin Dienstags dann in Tübingen gewesen ... Und haben die Medikamente wahrscheinlich versucht auch den Hirndruck zu senken.

00:22:15: Das hat alles nix gebracht.

00:22:18: Dann haben sie gesagt okay, eigentlich kann man an dem Knochen Bordlöcher machen, dass er einfach der Druck nachlässt oder das Liko fließen kann.

00:22:29: aber weil die Blutung so groß war haben sie gesagt, nee Sie müssen halt komplett aufmachen.

00:22:36: Und dann haben die quasi die rechte Schädeldecker.

00:22:39: deswegen habe ich ja auch die Narbe.

00:22:41: also die haben mir angesetzt bis ins Genick hinterm Ohr wieder hoch und haben quasi den kompletten rechten Teil rausgenommen und eingefroren für vier Monate.

00:22:51: Vier Monate?

00:22:53: Die Schädeltrecke!

00:22:54: Okay das heißt vier Monate offener Schäle.

00:22:57: Also ich hatte quasi über meinem Gehirn nun die Kopfhaut.

00:23:03: Ja, noch vier Wochen wurde ich dann wach.

00:23:06: Oder die Ärzte haben gemerkt, dass sich aufwachen will.

00:23:11: und das Einzige was ich aus dieser Intensivstation Zeit weiß, wo sie quasi Diskoma ausgeleitet haben... Ich war ja intubiert also mit einem Schlauch im Hals zu beatmen Und dieses Rausziehen von diesem Turbust ist das Einzigste was ich auf diese Intensifzeit weiss.

00:23:30: Also das merkst du immer in der Irgendwas?

00:23:31: Nein,

00:23:32: da hat man normalerweise nichts drin.

00:23:35: Und das ist das Einzige, wo ich jetzt sagen kann.

00:23:38: Ja, an das erinnere ich mich aus dieser Koma-Zeit.

00:23:41: Alles andere.

00:23:42: Schädel aufmachen.

00:23:43: Hubschrauber fliegen rein!

00:23:45: Wann war so der erste Punkt?

00:23:48: Wo du ... Ich sag mal ins Bewusstsein zurückgekommen bist.

00:23:50: Wo du gesagt hast, du nimmst die Realität wieder wahr... Also ich

00:23:55: hab schon, weil da waren natürlich super viele Leute im Zimmer,

00:23:58: gell?!

00:24:00: Da hab ich dann schon, also ich hab dann so rumgeguckt und hab meinen Kopf gedreht.

00:24:03: Und dachte zuhäh?

00:24:04: Weil du kommst halt irgendwann immer weiter.

00:24:07: Dann guck ich so hunderdasche Hänge, Schläuche Beutel da Infusionen in diese Diffusor mit diesen langen Spritzen, wo halt Medikamente geben.

00:24:17: Ich dachte zuher, ich hatte doch gestern nur Kopfwehre.

00:24:20: Also für mich war es immer noch gestern.

00:24:22: Hast Du auch so wirklich empfunden, dass du bist wach geworden hast gedacht?

00:24:25: Ja ja, ich habe mich doch gestert ins Bett gelegt.

00:24:27: Warum liege ich das nicht?

00:24:29: Krass, okay.

00:24:30: Also ich hab echt von dieser Zeit ... Ich weiß es nicht!

00:24:33: Mhm.

00:24:34: Und dann wirst du ja vor einer Intensivstation haben die mich quasi hochgebracht in Typingen auf der Schlaganfahrstation.

00:24:41: aber mein Körper war so geschwächt, ich bin echt im Aufzug schon wieder eingeschlafen, gell?

00:24:47: Und irgendwann lag ich halt im Bett und mach's von meinen Augen auf guck nach links und da stand meine Ex-Mann links von mir.

00:24:56: Und ich fahrs voll hin.

00:24:58: Also diese Zeit einfach.

00:25:02: Dann guck ich so rüber und der war halt schon ein bisschen aufgelöst, weil die Ärztin-Typien ganz klar zu ihm gesagt haben.

00:25:08: Sie wissen nicht, wie ich zurückkomme?

00:25:10: Dass es auch so Wachkomagsschichte oder behindert bleiben kann ... Oder weil die Blutung so nah in der Erinnerung war oder an dem Zentrum, dass es sein kann, dass sich einfach niemand mehr erkennt.

00:25:22: Oder net weiß das man Kinder, Hund, whatever.

00:25:25: Und dann guckt er mich an und sagt, weißt du wer ich bin?

00:25:29: Ich muss halt lachen!

00:25:31: Ich seh klar, weiß ich wer du bist.

00:25:34: Ja.

00:25:35: Und ich so, Entschuldigung was mach' ich hier?

00:25:37: Also ich hatte doch gestern nur Kopfweh.

00:25:41: Der guckt mich an und der so, ey wir haben nicht gestern.

00:25:46: Ist so wie ich draußen schell... also für mich war diese Zeit die so vier Wochen schlafen keine Ahnung.

00:25:53: Dann sagt er, du wir haben vier Wochen später.

00:25:55: Also ich hat ja doch nur Kopfwehn!

00:25:58: Das war voll unreal für mich.

00:26:01: Wir müssen mal ganz ehrlich sagen es ist ja auch unreal.

00:26:03: Voll.

00:26:05: Normalerweise wachen wir am nächsten Tag auf und haben eine Nacht dazwischen, da ist in der Regel nichts passiert.

00:26:09: Vielleicht sagt einer aber auf Toilette oder er hat sich was zu essen geholfen, aber völlig anderer Wort.

00:26:16: Und vier Wochen dazWischen, das ist ja auch völlig unreal.

00:26:21: Voll!

00:26:22: Vor allem weil ich eben aus dieser Intensivstation Zeit, dass du jetzt mal bewusst wahrgenommen hast dich weischt jemand oder?

00:26:30: hey meine Mama ständig spricht mit mir und berührt mich.

00:26:34: Mein Ex-Mann hat auch gesagt, ich habe dir immer mit dem MP-Triplayer Musik laufen lassen.

00:26:38: Deine Lieblingslieder.

00:26:40: Ich hab keine Ahnung, gell?

00:26:42: Wann war so?

00:26:43: der erste Punkt das du realisiert hast... Du lagst im Koma, du hast eine Blutung umgehend gehabt und kannst dich nicht mehr

00:26:52: da mich

00:26:53: bewegen.

00:26:54: Also

00:26:54: das ging erst.

00:26:55: Ich sag mal, mein Mann hat mir dann halt zu Stichwort halt dich kurz erklärt ja und du bist in Tübingen Du hast einen Schlaganfall und eine Gehirnblutung, du hast eine Glatzeln.

00:27:05: Dein Schädel ist eingefroren ... Und du denkst dir so, hey?

00:27:09: Wann ist das alles passiert?

00:27:10: also...

00:27:11: Also es kam nicht richtig an!

00:27:12: Du hattest quasi noch Schwierigkeiten überhaupt in der Realität anzukommen zu sagen, nee warte mal.

00:27:17: ich bin gestern ins Bett gegangen, sagt der Schlagan Fall Blutung.

00:27:20: Ich muss

00:27:21: jetzt mal klarkommen dass wir vier Wochen später haben.

00:27:23: Vor allem weil ich eben nichts ... Also diese Abtransport zu Hause dieses Hubschrauber fliegen

00:27:28: keine Ahnung.

00:27:30: Ja, und da kam schon mein Neurusscherok mit meiner Akte ins Zimmer zu heilen.

00:27:36: Das ist Guten Morgen!

00:27:39: Ich so ... Was ist hier los?

00:27:43: Da hat er die Akte auf meinem Bett und guckt um mich an.

00:27:46: Jaaa,

00:27:47: also hat's halt medizinisch erklärt.

00:27:50: Ich so, ähm, interessant.

00:27:53: Weil passiert auch nicht so oft.

00:27:55: Machst du das jeden Tag?

00:27:58: Nicht so, nee...

00:27:59: Und dann hat mich halt interessiert wo ist mein Knochen?

00:28:04: Also ich hab da noch erst mal hingefasst Und am Anfang war halt das Gehirn noch sehr präsent, weil es richtig ... Also der Deckel war ja weg und das Gehörn braucht Platz.

00:28:15: Wenn ich da hingelangt habe, war halt noch so eine Beule.

00:28:22: Und schon allein das, weil mich die Chirurgie eben interessiert hat, hat mich das superfaszinierend geil!

00:28:28: Dann hab' ich zwinglich gesagt Ja ist cool, sag ich.

00:28:31: aber wo ist mein Knochen?

00:28:33: Weil ich wusste noch von ganz, ganz früher hast du so Knochenteile teilweise in den Oberschenkel eignäht oder im Bauchdecke.

00:28:40: Einfach wegen der Versorgung.

00:28:43: Sagt er nee?

00:28:44: Du hast einen blauen Frierbeutel.

00:28:45: Da ist ein Bepper drauf mit deinem Name und der liegt bei uns unten in der Kühlung mit ganz vielen anderen Knochen.

00:28:50: So, mh voll schön!

00:28:52: Toller Gedanke

00:28:54: Ja dann hat er das halt alles so erklärt.

00:28:57: Und was sich natürlich im Kopf hatte, ey du hast schon ein neugeborenes Kinderheim Also das waren mir ja ... im Bewusstsein.

00:29:06: Und als der Mehl dann gesagt hat, ja wir haben vier Wochen später ich dachte, hey!

00:29:09: Du bist ein Kinderheim oder zwei Kinder und die meisten wo selber Kinder haben wissen diese anfangszeitige Magie, gell?

00:29:21: So dieses ganze Kennenlernen und Fühlen, Taschen sehen... Das hatte ich ja alles gar nicht.

00:29:29: Und in vier Wochen passierte halt mit so einem Baby viel, geller?

00:29:36: Ja und dann war es halt so.

00:29:37: also natürlich waren alle geschockt, familiemäßig Freunde Und die haben wir dann halt alle zusammenkäufen.

00:29:44: Also meine Mutter, extrem viel gemacht was sie jetzt auch noch tut.

00:29:48: Die schützt ein Rente seit vier Jahren und hat halt viel Zeit.

00:29:52: Und die hilft mir unglaublich viel.

00:29:54: Ich bin mich aber echt super dankbar weil... Ja

00:29:59: also ich beim Zuhören muss ich ja schon versuchen mitzukommen.

00:30:03: Also wie irgendwann hast du ja dann registriert?

00:30:06: Also hast ihr jetzt gesagt ne?

00:30:07: Du hast gemerkt, war mal vier Wochen mal in meiner Tochter ohne mich.

00:30:11: Und irgendwann hast Du hast einen Schlaganfall gehabt, du hast eine Halbseiten-Lehmung.

00:30:18: Kannst du dich an dem Moment erinnern?

00:30:20: Wo das dann ... wie soll man sagen... Ankam!

00:30:24: In der Realität ankam.

00:30:26: also dass du gemerkt hast, warte mal okay es sind jetzt wirklich vier Wochen später.

00:30:30: Ich habe einen Schlagenfall gehabt ich hab ne Blutung gehabt ich kann die Hälfte meines Körpers nicht.

00:30:35: kannst du dich da noch dran erinneren wo das angekommen ist?

00:30:38: tatsächlich Also

00:30:38: diese vier Wochen Das war war angekommen, erst ein paar Tage später wirklich.

00:30:47: Weil natürlich liegst du dann da und machst dir Gedanken.

00:30:50: So wie weiß ich was?

00:30:52: Blah!

00:30:53: Aber dass das wirklich vier Wochen waren ist für mich nach wie vor also unglaublich.

00:31:01: Und dann klar bewegst du dich im Bett und durch diese Hirnverletzung ist halt meine linke Seite komplett gelehmt.

00:31:08: und wenn du dich halt irgendwie drehen willst oder so, dann hast du halt gemerkt hey Du kannst halt nicht steuern.

00:31:14: Weil jeder Normale dreht sich irgendwie im Bett, oder?

00:31:18: Ja und dann kam ja immer ... Die Pflegehund haben mich umgelagert weil du dich einen Mund liegen darfst, weil ich mich eben nicht alleine bewegen konnte.

00:31:28: Und da wurde es dann immer wieder präsenter okay.

00:31:31: Die linken Seite ist gelehmt, weil die Ärzte auch gesagt haben, ja, du wirst nicht laufen können.

00:31:37: Weil eben, du musst was mit deinem Gehirn steueren.

00:31:41: Weil durch die Verletzung dem Gehirnen Das blendet quasi die linke Seine aus.

00:31:49: Sie haben dir gesagt, du wirst jetzt erst mal nicht laufen können?

00:31:52: Oder haben sie dir gesagt naja also ob du jemals wiederlaufen kannst...

00:31:56: Ja wird halt schwierig!

00:31:58: Also haben die die schon auch so ehrlich gesagt und gesagt okay

00:32:02: das eventuelle Rollstuhl...

00:32:03: Was du irgendwann wieder können werden würdest ist unklar.

00:32:08: Also er hat gesagt der Arm links Glaubt er nicht, dass da noch mal eine Verknüpfung stattfindet?

00:32:14: Weil einfach die Gehirnverletzung zu groß war.

00:32:17: Aber ich hab immer gesagt, ich verzichte wirklich gern auf den Arm wenn ich mobil bin weil ich habe zwei Kinder.

00:32:23: Ich kann nicht mit dem Rollstuhl durch die Gegend fahren und das war immer die größte Motivation.

00:32:30: Weil mit einem Arm kannst du leben Und die Kinder in Anführungszeichen werden auch alleine groß oder selbstständiger ziehen sich alleine an Du musst keine Windeln mehr machen Und so hat sich das dann alles gefügt.

00:32:48: Ich würde gerne noch ein bisschen eintauchen in dieses Identitätsthema, also du bist ja jemand gewesen, der ein freies, der willes Leben hatte wie immer gesagt haben.

00:32:57: Du hast einen Job gehabt, der dir Spaß gemacht hat und du warst eigentlich total unbeschwert agil.

00:33:04: und dann wirst du wach, vier Wochen im Koma gewesen Und du registrierst, du hast vier Wochen mit der Tochter verloren.

00:33:12: Du hast deine Mobilität verloren und man weiß nicht ... wie viel davon noch zurückkommt?

00:33:19: Wie bist du damit umgegangen?

00:33:20: Also es gehört ein Stück weit zu unserem Leben.

00:33:24: Dass sich Dinge verändern, dass wir manche Dinge nicht mehr können.

00:33:26: Das ist ja jetzt mal einen sehr einschneidender Bruch gewesen.

00:33:31: Sehr krasser Bruch geworden.

00:33:32: Aber wie bist du da mit umgegangene ... Wie soll man sagen, mit diesem Umding denkt mein Leben sieht jetzt irgendwie anders aus.

00:33:43: Also als ich... Irgendwann kam der Punkt wo du gesagt hast okay mein Leben wird jetzt wahrscheinlich so aussehen.

00:33:49: Du hast ja wahrscheinlich auch zurückgeguckt und gesagt bisher sah es aber eigentlich so aus ne?

00:33:53: Und dann zu sagen also wie bist du damit umgegangen?

00:33:59: Dieser Prozess war, viele stecken ja da drin.

00:34:00: Manche stecken sehr lange darin damit zurechtzukommen und zu gucken wie gehe ich jetzt damit um?

00:34:05: Wie gehe ich einen weiteren Weg?

00:34:06: Also es war so wo ich wach war und der Neurusschirurg bei mir war zum Erklären, weil ich gesagt habe hey was ist denn mit meinem linken Arm?

00:34:17: Ich sagte Sarah hören wir jetzt ganz genau zu an dem Morgen einem Dienstagmorgen wurde mein Hubschrauber gelandet bist und wir das gesehen haben wie jung du bist und was du für eine Diagnose hast.

00:34:29: Wir dachten alle, oh nee.

00:34:30: So eine junge Mutter und dann so ein ... Und wir dachten allen ah du schaffst es nicht?

00:34:38: Weil eben das im Gehirn so tricky war oder du bleibst schwachkummer Patientin Pflegefall behindert.

00:34:45: Ich sagte deswegen bitte verzichte auf diesen Arm.

00:34:49: Und am Anfang ging's dir, hm der hat halt gut reden.

00:34:53: aber so nach und nach habe ich dann gedacht ey Sarah ist es halt wirklich so Du bist hier Und du bist schon kopfklar.

00:35:03: Gut, ich vergesse superfilme und muss mir tolle Sachen

00:35:05: aufschreiben.".

00:35:07: Aber ich bin da ... Und hab gedacht gut es ist jetzt so das ist passiert Ich kann's nicht ändern.

00:35:15: Also muss ich einfach das Beste draus machen.

00:35:21: Ja

00:35:23: Krieg Tränen in die Augen?

00:35:24: Ich auch

00:35:28: Das ist ja im Grunde genommen klar.

00:35:30: In der Psychotherapie bringen wir den Patienten immer bei oder wie ich Ich mir dann auch selber zu sagen, naja, manche Dinge können wir nicht ändern.

00:35:38: Da auch nicht dran zu hadern und auf das zu fokussieren was ... Boah!

00:35:42: Oh nee,

00:35:45: you have my makeup?

00:35:50: Und dass auf das so fokusieren was da ist.

00:35:54: Ist ja schon auch beeindruckend berührend.

00:35:58: also... kann ich jetzt nicht mehr verstecken.

00:36:01: Zu sagen, okay man ist dankbar dafür dass man noch da ist ja und alle auch gedacht haben ok

00:36:08: es wird halt nimmer oder?

00:36:09: Genau zu sagen zwei Kinder werden ohne Mama groß nur dann zu sagen okay das hat aber doch geklappt wir verzichten auf den Arm aber dafür gibt's halt Sarah noch.

00:36:19: ne

00:36:22: also der habe ich mir immer dachte hey okay es ist halt so.

00:36:25: wie gesagt ich kann uns ja nicht ändern klar.

00:36:29: Also würde sich gerne ändern, wenn ich es könnte.

00:36:32: Aber ich hab immer gedacht hey du hast einfach eine Chance auf ein zweites Leben.

00:36:36: Ich meine die in Tübingen haben auch gesagt sie sehen Fälle wo sie quasi schon entdeckeln aber wo einfach die Hirnschädigung schon so groß war dass das echt so Wachkommarkschichten waren.

00:36:47: und deswegen habe ich doch Tandy ich bin halt da also mache ich's Beste draus.

00:36:51: Und dann hab' ich gesagt äh außerdem ich bin thirty-seven ich hab zwei Kinder.

00:36:57: Nix sagt, um die ersten Monate musste ich Rollstuhl fahren.

00:37:02: Ich war ja so pflegebedürftig.

00:37:03: Ich hatte Windeln und Kartete.

00:37:04: Ich konnte nix.

00:37:06: Mich nach der Leine waschen, ne Zähne putzen, nach der leinen Essen...

00:37:11: Wie war das für dich?

00:37:14: Du warst total wildfrei selbstständig, mobil bis zu eingeschlafen.

00:37:21: Und du

00:37:22: bist wach geworden und brauchst echt Hilfe!

00:37:23: Vor

00:37:25: allem, also jetzt mal ganz krass gesagt.

00:37:33: Wenn du mit siebenunddreißig Katheterwindeln, Magensonde... Also schon allein dieses

00:37:40: Windelgefühl.

00:37:44: und es ist auch ein Stück weit erniedrigend weil wenn du immer immer selbstständig bist und dann halt wegen jedem Kleinigkeit klingeln musst, weil ich konnte mir nicht mal eine Flasche alleine aufmachen.

00:37:58: Weil klar habe ich mittlerweile nach neun Jahren Sachen, wo ich weiß okay klemmt es dir zwischen die Beine oder zwischen die Schuhe und Dreh geht schon.

00:38:08: Aber so in dem Moment wenn du immer unabhängig warst und nicht auf Hilfe angewiesen warst ist das schon hart.

00:38:16: Und auch in diesen Situationen jetzt nehmen wir mal wirklich so einzelne Situationen angenommen Du konntest jetzt irgendwas nicht Und dann kommt der Frusthoch so.

00:38:27: Scheiße, warum krieg ich das jetzt nicht hin?

00:38:30: Wie bist du damit umgegangen und hast gesagt, okay, ich lerne es wieder oder es ist halt so ... Also wie bist du in den einzelnen Situationen damit um gegangen und hast keine Ahnung die gesunden Füße genommen und hast dann einfach die Flasche ins Eck geschossen oder sowas.

00:38:45: Ich hab viel ausprobiert.

00:38:48: Wobei ich war ja lange in Drehhaar Und da hast du ja dann auch solche Sachen wie Alltagstraining, Haushaltstraining, Kochen mit einer Hand.

00:38:56: Es gibt natürlich tausend verschiedene Hilfsmittel für Einarmige und so.

00:39:02: Gestaltest du halt deinen Alltag?

00:39:04: Also ich höre schon ein bisschen ... Du bist schon ein lösungsorientierter Mensch.

00:39:08: kann das sein zu sagen okay es gibt Dinge die kann ich nicht ändern.

00:39:10: ok was kann ich jetzt?

00:39:11: aber dann wie kriege ich das jetzt trotzdem hin?

00:39:13: oder...

00:39:13: Ich probiere halt aus und entweder geht gut und ich habe keine Küchenunfälle oder ich schmeiß halt mal.

00:39:20: Klar, du schüttest Mehl aus oder explodierst die Spaghetti-Packungen draußen.

00:39:25: Spaghetti ist liegen in der Küche!

00:39:27: Und dann?

00:39:28: Ist mir egal... So eine

00:39:29: Scheiße!

00:39:29: Natürlich fluchig, ABZ alles und ja, die Kinder helfen mir halt mittlerweile viel.

00:39:37: Die Kleine ist neun, die Große wird vierzehn und die kommen dann können wir kochen.

00:39:44: Was heißt achtundviertzehn?

00:39:49: Neun und vierzehnt.

00:39:50: Ich stelle mich vor auf der einen Seite wenn Wenn man Hilfe braucht, ist es sehr unangenehm.

00:39:55: Du hast ja auch beschrieben, dass sie irgendwie erniedrigend gibt's aber auch so Aspekte wo du sagst das war auch eine schöne Phase weil man gesehen hat wie jemand für einen da ist wenn man nicht funktioniert.

00:40:07: gab es auch solche Anteile oder also solche positiven Aspekten in Anführungsstrichen von Da ist jemand da weil das umfällt.

00:40:15: Also ich stelle mir das so vor Typ wie was beschrieben haben freie Unternehmen und positiv.

00:40:24: Und hier mache ich was in keine Ahnung, was?

00:40:27: Dann bist du ja... ... nicht nur für dich gesehen eine andere Person sondern auch für dein Umfeld.

00:40:33: Du wirst plötzlich dann Hilfe bedürftig oder Unterstützungsbedürftig.

00:40:39: Gab es da auch so Momente wo du gesagt hast das fühlt sich irgendwie positiv an dass da Menschen da sind?

00:40:44: oder hat sich da auch etwas verändert in deinem Umfeld wo du sagst okay Da sind vielleicht Menschen nicht mehr da gewesen, wo du damit gerechnet hättest?

00:40:51: Oder es sind Menschen da, wo Du nicht damit gerechnet hättst oder so.

00:40:53: Ja

00:40:56: also da merkst du halt und entscheidet sich die Freundschaften irgendwann weil es waren... Also ich war eine Frührehe in Bad Urach Und da hatte ich für mich das Gefühl, dass man teilweise echt Leute nur da umzusehen.

00:41:12: Wie sieht denn die Alte aus mit halbem Kopf?

00:41:15: Zu Besuch dann oder wie?

00:41:16: Ja

00:41:17: und sie schernet oft wenn da jemand mit so einem halben Kopf liegt Schon noch interessant und waren halt dann da zum angucken.

00:41:25: Und dann war es das, also wo ich dann schalte immer weniger Telefonate weniger schreiben weniger ist auch doch gut.

00:41:39: Also ich habe wenige Freunde aber dafür richtige.

00:41:43: Genau die andere Seite war.

00:41:45: da gab's ja jetzt aber auch Menschen wo du gesagt hast Die die waren einfach für dich da.

00:41:51: Ja

00:41:54: Haben die Freundschaften sich dann auch verändert?

00:41:56: Nein.

00:41:57: Sie

00:41:58: sind irgendwie intensiver geworden... Intensiver,

00:42:01: weil du eben die Zeit, die du zusammen verbringst, genießt.

00:42:04: Weil halt jeder gesehen hat, ey!

00:42:06: Es kann halt so schnell anders sein.

00:42:09: Ich meine bei mir war es aber eine Nacht nur wo sich alles verändert hat und ich habe wie gesagt wenige, aber dafür halt super Intensivfreunde, wo mich auch schon sich zwanzig Jahre kennen Und jeder sagt, Sarah, obwohl das Leben dich so auseinandernehmen wollte.

00:42:27: Du bist immer noch gleich wie früher und ich glaube ein größeres Kompliment kannst du gar nicht kriegen.

00:42:33: Bei dem was du erlebt hast definitiv ja.

00:42:36: Ich war halt echt klar.

00:42:37: gab es natürlich Tage wo ich mir auch dachte, ey, willst du halt echt zu leben oder kriege ich das wieder hin?

00:42:44: Weil du zweifelst dir dann auch in dir selber habe ich die Kraft und der Mut und ich dachte immer hey du hast eine Chance Du musst nützen.

00:42:59: Wenn wir jetzt mal zurückblicken zu der Sarah vor dem Schlaganfall und der Sarah, die du jetzt siehst quasi im Spiegel... Was siehst du wenn du zurückblickst?

00:43:15: Beziehungsweise jetzt siehst du unterschiedliche Menschen?

00:43:17: Siehst du also was siehst man wenn du quasi zurückblickt auf die Sarah mit ich sage jetzt mal achtundzwanzig Jahren ja.

00:43:27: Und die Sarah, die du jetzt im Spiegel siehst.

00:43:30: Also definitiv Stärke und Mutte, weil das kostet nämlich ganz schön Kraft so was in Anführungszeichen zu überstehen oder mitzumachen durchzuziehen.

00:43:40: Ich weiß gar nicht, wie ich es schreiben soll.

00:43:42: Ich glaube, dass es total schwierig ist, über das zu beschreiben.

00:43:46: Deswegen versuche ich's rauszupitzeln.

00:43:47: Nee auf jeden Fall!

00:43:49: Da steckt unheimlich viel Kraft drin.

00:43:51: ja weil... ...ich glaub wenn man dich schon allein hier sitzen sieht und wie du darüber sprichst stellt man sich ja.

00:43:58: also ich habe mir die Frage gestellt bis Interview auch gesehen was von dir schon bei YouTube clip wo ich gedacht hab okay Wie kann man so damit umgehen?

00:44:13: Ja, das ist ja schon...

00:44:15: Also ein Patentrezept gibt es nicht.

00:44:16: Aber für mich war immer das was der Arzt in Tübingen gesagt haben dass er alle dacht haben ja Wachkoma Behinderung und dachte ich okay wenn dir mal so eine Diagnose einfach gesagt wird dein Leben hätte so und so weil.

00:44:32: ich hätte irgendwo im Pflegeheim in so einem Wachkommer liegen können.

00:44:35: und deswegen habe ich einfach gedacht ey du musst das Beste draus machen Also du hast gar keine Option.

00:44:43: Ich höre so ein bisschen raus, dass du gar nicht so sehr den Blick hattest wie war dein Leben mit dreißig Jahren sondern eher ich hätte dem Wachkoma liegen können oder ich hätte tot sein können.

00:44:55: und das als wie soll man sagen als vergleichsbar ist.

00:44:58: es nimmst in Anführungsstriche und sagst warte mal dafür bin ich eigentlich ziemlich gut weggekommen.

00:45:03: ja

00:45:06: und jetzt sagt sie auch noch durch die wirklich schwere Zeit Bist du eher sogar noch ein Stück weit stärker geworden?

00:45:13: Ja, auf jeden Fall.

00:45:14: Was hast du so mitgenommen für dich?

00:45:18: Du sagst, du bist stärker worden wenn man durch einen Schicksal geht.

00:45:23: was sind die Merkmale, die du aus dieser Zeit mitgenommen hast für dich?

00:45:30: Einfach dass man mal kämpfen muss Obwohl man eigentlich denkt ich schaffe es nicht oder ich kriege das nicht hin weil Es gibt ja einfach auch so viele Menschen Wo psychisch zu kämpfen, haben wir gedacht Gott was für ein Berg.

00:45:44: und ich kann das nicht.

00:45:46: Aber es geht also weil der Kopf macht nämlich ganz arg viel.

00:45:49: wenn du Mut hast und kämpfen willst dann funktioniert es.

00:45:57: klar Es gibt tausendmal schlimmeres Sachen wie bei mir wo du dann echt denkst hey die hat's echt hart getroffen.

00:46:03: Also die müssen so richtig kämpfen aber es funktioniert weil der kopf macht ganz arg.

00:46:09: vielen

00:46:13: Hördest du sagen, du bist glücklich?

00:46:15: Ja.

00:46:17: Ich bin glücklich!

00:46:20: Weil ich eben das geschafft habe was ich einfach schaffen wollte.

00:46:25: Ich wollte hier sein, ich wollte wieder laufen und ich will am Leben teilnehmen Und es hat funktioniert.

00:46:32: Wie gesagt klar mein linker abendschnach wie vorgelehnt aber nach neun Jahren Es geht alles.

00:46:38: Ich backe, koche, putze Und ich sag meine Mama schon seit vier Jahren Rente und die hilft mir mega viel, wo ich auch mega dankbar bin.

00:46:49: Gut ist siebenundsechzig aber die ist super fit, gell?

00:46:52: Und die wirbelt bei mir durch die Wohnung und putzt Fenster und machte Essen und jenes... Also da bin ich echt froh dass die da ist!

00:47:01: Ich hab dir den Eindruck, wir definieren uns viel über das was wir machen können.

00:47:05: Was wir leisten können.

00:47:07: Wir vergleichen uns und sagen, wir haben die Karriere gemacht oder wir haben diesen des beruflich erreicht usw.

00:47:12: Und habe aber das Gefühl wenn man es dann runterbricht oder wenn bestimmte Schicksale dazwischen kommen, verliert ein Partner oder fast sein Leben oder sowas.

00:47:22: Dann reduziert sich das auf die Kernthemen, die uns eigentlich dann glücklich machen.

00:47:27: Ja ... was das schon ein bisschen rausspüren lassen.

00:47:30: Was sind die Dinge, wo du jetzt sagst nach so einer Zeit oder nach solchen einschneidenden Erlebnissen?

00:47:38: Das sind Werte von denen du gespürt hast.

00:47:42: Das macht dein Leben lebenswert und das macht deinen Leben auch lebenswert.

00:47:46: Wo du sagst, dass ist das, wo Du sagst... dafür mache ich das Ganze!

00:47:53: Dafür ist es lohnswert und dafür

00:47:56: kämpfe ich alle.

00:47:56: Also ganz klar mache ich für meine Kinder Ich bin Mama von zwei Kindern.

00:48:04: Und dann natürlich auch für mich selber, weil ich bin ja auch jemand und ich sag immer, ich bin froh.

00:48:12: Ich kann morgens alleine aufstehen.

00:48:15: also ich bin nicht auf Hilfe angewiesen so dass du Zwinnen wechsel musst oder Katheter wechseln musst und ich kann allein duschen, ich kann alleine noch Sklo gehen was pure Luxus ist habe ich gelernt.

00:48:28: aber für jeden ist es normal du gehst halt aufs Klo Oder gehst du schon und ich konnte halt einfach gar nix.

00:48:35: Also... Und ich brauch keine Hilfe, gut bei manchen Sachen ja aber ich kann alleine rausgehen.

00:48:42: Ich bin jetzt heute auch mit meiner verrückten Freundin hier hergefahren Ohne groß Hilfe zu brauchen Und es sind einfach so Sachen wo ich denke ey ich hab ihn zu Hause.

00:48:53: Ich habe gesunde Kinder Ich hab jeden Tag zu essen Ich hab super Freunde um mich rum Eine tolle Mama eine tolle Oma.

00:49:04: Was will ich mehr?

00:49:06: Also gesegneter kann es nicht sein, wie dass du einfach eine Chance krieg, tarschiert zu sein.

00:49:12: Klar bisschen eingeschränkt, bisschen verrückt aber gut!

00:49:17: Also immer noch ein bisschen verrückter und wild ja?

00:49:19: Ja irgendwie schon!

00:49:21: Woran macht sich das bemerkbar aus?

00:49:23: sind so die Verrückten... Ich lach

00:49:25: halt viel und bin gern mit Freunden unterwegs.

00:49:29: Wir haben uns bei uns in der Stadt immer wieder alle paar Monate festgelegt wo du dann sitzt Spaß hast und lachst, ja.

00:49:40: Bemerkenswert?

00:49:42: Ja also ich bin definitiv stolz auf mich selber.

00:49:48: Und wie gesagt... Ich sage immer jeden Morgen Klar hey du bist ja eingeschränkt in Anführungszeilen Aber es funktioniert alles Es geht halt langsamer Aber als Rentnerin hast du halt Zeit.

00:50:03: Wie alt bist du jetzt?

00:50:05: forty-six?

00:50:08: Manchmal tut es uns eine Entsteinigung gar nicht so schlecht.

00:50:10: Irgendwie rennen wir alle durchs Leben und es wird eigentlich weniger gut tun, aber wir finden die Bremse irgendwie nicht.

00:50:18: Ich musste euch schon mal dann die Ruhe finden, weil ich habe ja immer gearbeitet und hier und dort bin in die Praxis ein Kindergartenhaushalt, Hund, Action ... Und dann kommst du halt zu richtig runter, weil du merkst Okay!

00:50:33: Du kannst mit einer Hand nimmer im OP stehen Weil wenn ich zu Hause die Wurschsparkung mit Mund aufziehe, interessiert kein Mensch.

00:50:40: Aber wenn ich halt im OP-Knochenreisen erreichen muss oder Implantate und Darstürs mit Mund ausmache, findet man glaub nicht so gut.

00:50:48: Das könnt zur Schwierigkeit beführen.

00:50:56: Gibt ja immer wieder Schicksale in dem Leben.

00:51:01: Was würdest du jemandem mitgeben der sowas ... Erlebt wie du, ja erlebt oder etwas ähnliches.

00:51:12: Wo würdest du sagen das ist so... ...das ist so das gewesen was dir am meisten geholfen hat.

00:51:18: also wir haben ja schon ein paar Spekte rausgearbeitet wo ich gesagt habe okay da denkst du schon... ...ungewöhnlich anders und deswegen bist du auch mit einer... ...so ner Stärke wahrscheinlich raus gekommen.

00:51:28: aber wo würdest Du selber sagen wenn?

00:51:31: Was habt ihr in diesen Momenten ganz besonders geholfend für dich?

00:51:37: um durch so eine schwere Phase durchzukommen, auch eine Identitätskrise.

00:51:41: Das ist ja wirklich ... das Leben vorher hat mit deinem jetzt... Nichts zu tun?

00:51:45: Ich muss sagen von außen zumindest nichts zu tun!

00:51:47: Du hast gesagt du hast dich nicht wirklich verändert, aber von Außen diese Außenbedingungen haben sich sehr stark verändert.

00:51:54: Was würdest du sagen?

00:51:56: Hat dir für dich dabei geholfen zu sagen dass du da gut durchgekommen bist und immer noch ein wilder lebensvollen Mensch geblieben bist?

00:52:07: Also ein Patentrezept gibt es definitiv nicht, dass ich jetzt sagen kann.

00:52:10: Das und das und das.

00:52:14: Aber für mich war halt echt der Aspekt so Okay du bist jung Du hast zwei Kinder Sorry für die Ausdrucksweise aber du musst deine Arschpacken zusammenknäfen Und musst einfach das Beste draus machen.

00:52:27: Weil natürlich du hast immer eine Wahl weil Ich habe immer zu meinen Freunden gesagt Ey ich hab doch keine Wahl.

00:52:33: also was bleibt mir übrig?

00:52:34: Ich muss kämpfen.

00:52:36: Das bin ich meine Familie schuldig, meinem Umfeld und vor allem mir selber.

00:52:40: Weil ich bin ja auch jemand.

00:52:42: Und dann hab' ich doch gut!

00:52:44: Ich kann es nicht ändern – das war immer so, Sarah du kannst's nicht ändern als es passiert.

00:52:49: also mach einfach das Beste draus.

00:52:53: Und wie gesagt, ich war sechs Monate in Reha, war eine anstrengende Zeit aber... ...ich habe Gas geben und trainiert und gemacht und da ist ja Wasser im Nachsteg für ein Fitnessstudio.

00:53:08: Also nix mit Reha, dass du da morgens dein Kaffee gemütlich und dann ... das ist richtig Programm.

00:53:16: Ja, ich hab halt das gemacht was ging!

00:53:19: Ich hatte natürlich auch Tage wo du echt traurig warst, wo du dir bewusster geworden bist.

00:53:25: hey okay mir ist das passiert?

00:53:28: Und natürlich nimmt es dich mit.

00:53:30: War sowas steckschnittweg wie wenn du jetzt keine Ahnung ne Krippe hast oder?

00:53:36: Und gab es Tage, da hab ich mir hier einfach im Bett geblieben und gesagt ihr könnt mich alle mal.

00:53:40: Ich mach heute gar nix.

00:53:41: Unhappart gemeint oder war traurig.

00:53:45: Also das gehört auch dazu weil du musstest schon auch stückweit verarbeiten.

00:53:49: Ich hatte eine Reha psychologische Betreuung.

00:53:54: War klar.

00:53:54: kannst du sagen hey mir geht's gut oder mir macht nichts aber das macht definitiv was?

00:54:00: Oder du denkst halt rüber nach Warum ist es mir passiert?

00:54:04: Und ich bin so jung und scheiße.

00:54:08: Aber ich sage immer, das ist alles gut weil ich bin hier.

00:54:11: Also ich spiele eine Ehrlichkeit im Schicksal gegenüber raus oder nicht zu sagen, ich ignoriere das weg, ich ignoriere die Gefühle weg und arbeite einfach dass es dann durchgeht und tue so als wenn mein Leben immer noch super wäre sondern schon zu sagen naja gut es war da Es hat mein Leben verändert.

00:54:29: Das ist auch ein trauriges Schicksal, aber ich mach jetzt das Beste daraus, weil es hätte schlimmer sein können und anders sein können.

00:54:37: Und ich hab noch so vieles was gut ist.

00:54:39: Ja, definitiv!

00:54:45: Ich habe das Gefühl als wenn sich dieser Invest... klingt jetzt ein bisschen komisch gelohnt hätte nicht im Sinne von ich beißt den Rest meines Lebens sondern klingt so ein bisschen wie wenn du dich zurückgekämpft hättest.

00:55:00: Okay, ich kann nicht mal laufen.

00:55:02: Dann lerne ich es halt.

00:55:02: Ja.

00:55:03: Ich kann nicht kochen?

00:55:04: Na ja dann muss ich es jetzt mit einem Arm hinkriegen!

00:55:07: Wenn du dich zurückgekämpft hättest... ...nicht damit das Leben irgendwie überlebbar ist sondern wirklich wieder zurück in die Freude des Lebens.

00:55:16: In die Normalität, ja.

00:55:17: Die Normalität und die schönen Momente zurück.

00:55:21: Definitiv.

00:55:24: Vielen vielen herzlichen Dank.

00:55:25: Voll gerne.

00:55:27: berührt mich zwischendurch ganz besonders.

00:55:30: Aber ich finde es bemerkenswert und möchte das einfach auch noch mal ausdrücken, findest bemerkswert wie du damit umgegangen bist ja und auch deine Perspektive und dann Weg durchzufinden und nicht zu sagen okay ich habe jetzt ein Leben damit komme ich so irgendwie zurecht sondern wirklich an einem Punkt zu kommen oder sagst ja du hast Spaß?

00:55:50: Natürlich gibt's Momente die sind auch blöd.

00:55:52: ne ich glaube jeder auch irgendwie.

00:55:55: Aber da auch ein Weg zu finden, ähm ... zu sagen.

00:55:59: Das ist jetzt ... das Leben ist irgendwie auch schön, ne?

00:56:01: Ja!

00:56:01: Definitiv!

00:56:03: Vielen vielen herzlichen Dank, dass du vorbeikommen bist und danke an die Freunden.

00:56:07: Danke!

00:56:08: Lieblingsfreundin.

00:56:09: Gebracht hat.

00:56:10: Hierher gebracht hat und dass wir echt so eine intensive Zeit hatten.

00:56:15: Gerne.

00:56:16: Danke, dass ich da sein durfte.

00:56:17: Sehr sehr gern.

00:56:20: Schön, dass sie dabei war bei Sprechstunde mit dem Leben.

00:56:26: Wenn euch die Folge berührt hat oder irgendwie bewegt hat und ihr das Gefühl habt Mensch, die könnte jemand gebrauchen dann leitet sie gerne weiter.

00:56:33: Und natürlich nicht vergessen zu abonieren da wird die nächste folge nicht verpasst.

00:56:39: Bis zum nächsten mal!

00:56:40: Euer Ben.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.